Wer mit kleinen Kindern zu tun hat, kommt kaum je um dieses kleine Wörtchen «Warum» herum. Warum wohl? Weil die Weltneulinge tagtäglich mit tausend neuen Eindrücken durch ihr junges Leben gehen. Und weil wir alle, wie der grosse Philosoph Immanuel Kant es nennen würde, mit dem Raster der Kausalität auf die Welt kommen: Dinge, Geschehnisse, Erlebnisse … hängen zusammen: Auf jedes Warum muss ein Darum passen. So macht die Welt Sinn und wird verständlich – so hoffen es wir Grossen, und so vermuten es schon unsere Kleinsten, sogar bevor sie es in Worte fassen können. Mit ausgestrecktem Fingerchen macht uns ein Baby auf eine Fliege, die im Netz zappelt, aufmerksam: Warum zappelt die so? Aha, sie möchte frei sein!
Leider sind nicht alle Kinderfragen so leicht zu beantworten, wie wir Grossen es manchmal meinen: Warum schneit es? Weil es Winter ist! Weil es kalt ist! Weil Frau Holle die Kissen ausschüttelt … So beantwortet, handelt es sich um eine Weshalb-Frage. Darauf gibt es mehrere mögliche Antworten, die die Sache erklären. Wenn der Knirps nun aber beharrt und weiterfragt: Ja, aber warum? Dann reicht es ihm nicht, zu hören, was die faktische oder die mythische Erklärung ist. Er möchte uns vermutlich eher mitteilen, wozu es gut ist, dass es jetzt schneit, nämlich damit er endlich schlitteln gehen und einen Schneemann bauen kann. Hier handelt es sich um eine Wozu-Frage, und die hat das Kind sich gleich selber beantwortet, indem es auf den Sinn der Sache hinweist.
Versuchen Sie doch einmal bei der nächsten Warum-Frage einer Enkelin oder eines Enkels herauszufinden, ob das Kind wirklich eine Information braucht, oder ob es sich lohnen könnte, dem Kind die Frage einfach zurückzugeben: Ja, was denkst du denn, warum es schneit? Und lassen Sie sich von seiner Antwort überraschen.

Die Philosophie-Pädagogin Eva Zoller Morf hat vor über 30 Jahren das Philosophieren mit Kindern entdeckt und in Büchern und auf www.kinderphilosophie.ch publik gemacht.
Als Grossmutter freut sie sich nun über die kleinen Philosophen in ihrem Leben. Gerne nimmt sie Kinderfragen entgegen, um zu überlegen und zu beschreiben, wie man damit am besten umgehen könnte: redaktion@grosseltern-magazin.ch