Diese Frage stellte sich unserem bald fünfjährigen Nachbarskind, als es seine Eltern zufällig über die vielen, vielen Toten sprechen hörte, zu denen ein furchtbarer Wirbelsturm geführt hatte. Einige Tage vorher hatten wir ein krankes Kätzchen beerdigen müssen und seither ist der Junge äusserst hellhörig geworden bei dem Thema. Obwohl er bei der Beerdigung im Garten dabei gewesen ist, liess er uns tags darauf wissen, dass es Butzli im Himmel oben jetzt gut gehe. Seine Zeichnung dazu zeigte am unteren Bildrand das Dach unseres Doppelhauses und die Kirchturmspitze. Darüber, weit oben, eine kleine Wolke, auf der die Katze sass. Neben ihr
eine braune Säule – so sieht ein übervoller Futternapf aus – und etwas kleines Blaues: eine Maus. «Haben denn die vielen Toten alle Platz dort oben?», wollte er wissen, und es entspann sich ein längeres Gespräch über den Himmel und die Toten. «Wie geht das überhaupt, wenn man die Menschen beerdigt, wie können sie dann in den Himmel gelangen? Kann man sie sehen, wenn man mit dem Flugzeug über die Wolken fliegt? Warum nicht?» Solche Kinderfragen bedeuten für uns Erwachsene eine doppelte Herausforderung: Eine psychologisch-pädagogische, wenn wir uns fragen, was wir den Kindern zum Thema Tod überhaupt zumuten dürfen oder gar müssen, und eine spirituelle oder philosophische, wenn wir uns selber noch gar nie über solche Fragen Gedanken gemacht haben. Aber genau dazu fordern uns die kleinen Frager auf, denn sie wollen es genau wissen: «Was ist denn die Seele? Kommen alle Seelen zu Gott?
Werden sie dann Engel? Und wie sieht es im Himmel aus?» Die letzte Frage hat sich unser Nach­barsbub mit seiner Zeichnung des Katzenhimmels gleich selbst beantwortet. Öfter aber werden wir, um dem Kind gerecht zu werden, uns selber fragen müssen: Was glaube, denke, hoffe ich denn eigentlich bezüglich Seele, Gott, Himmel …? Und da sich über solche Themen auch Theologen und Philosophen keineswegs einig sind, dürfen wir uns im Dialog mit unseren Enkeln mutig und fantasievoll an eigene Antworten herantasten. Antworten, die uns helfen, mit dem Unerklärlichen umzugehen, die uns vielleicht sogar trösten, wie das Bild der glücklichen
Wolkenkatze genau über unserem Haus.

Die Philosophie-Pädagogin Eva Zoller Morf hat vor über 30 Jahren das Philosophieren mit Kindern entdeckt und in Büchern und auf www.kinderphilosophie.ch publik gemacht.
Als Grossmutter freut sie sich nun über die kleinen Philosophen in ihrem Leben. Gerne nimmt sie auch Ihre Kinder­fragen entgegen, um zu überlegen und zu beschreiben, wie man damit am
besten umgehen könnte: redaktion@grosseltern-magazin.ch

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