Diese Kinderfrage, welche eine Leserin eingesandt hatte, schien mir zuerst ganz leicht zu beantworten: Ja natürlich! Weshalb sollten denn die meisten Menschen nach Reichtum streben, wenn nicht, um glücklich zu werden? Aber wenn sie dieses Ziel erreichen, sind sie es dann wirklich? Ich weiss nicht, wie alt das fragende Kind war. Sicher aber musste es etwas erlebt haben, das die Frage auslöste. Vielleicht wurde ihm ein Wunsch verwehrt mit dem Argument, dass sich nur reiche Menschen so etwas leisten können? Oder es ist ihm – vielleicht in einer Bilderbuchgeschichte oder auf einem Foto – aufgefallen, dass die vermeintlich Reichen überhaupt nicht glücklich aussahen?
Die Frage lädt uns zum Philosophieren ein. Bevor wir uns jedoch der eigentlichen Frage zuwenden, ob Reichtum automatisch auch glücklich macht, sollten wir uns über den Begriff reich klar werden. Hätte ich so ein Frögli-Kind vor mir, würde ich deshalb als Erstes nachfragen: Wer ist denn reich? Kann man nur mit viel Geld reich sein? Wenn
du zum Beispiel schöne Steine sammelst und schon ganz viele davon gefunden hast, bist du dann nicht auch reich? Steinreich? Auf welche Art könnte man sonst noch reich sein? Vielleicht reich an Erfahrungen? Oder reich an Freunden? Wann ist man ein reicher Mensch? Danach würden wir uns der kritischen Frage nach dem Zusammen­hang von Reichtum und Glück zuwenden. Das geht auch mit jüngeren Kindern, solange wir Beispiele aus ihrem Erfahrungshorizont beiziehen: Worauf kommt es denn an, dass man glücklich ist? Würden drei schöne Steine schon genügen für dich? Oder wärst du erst glücklich, wenn du zehn gefunden hättest? Warst du schon mal ganz besonders glücklich? Magst du mir den Grund verraten? Hatte es etwas mit Reichsein zu tun? Oder mit einem ganz besonderen Erlebnis? Was könnten wir mit allem Geld der Welt nicht kaufen? Was macht uns wirklich glücklich?
Spätestens bei dieser letzten Frage dürfte klar werden, dass Kinderfragen oft auch unsere Fragen sind. Ich wünsche Ihnen sehr, dass Sie erleben dürfen, wie beglückend es sein kann, gemeinsam mit Kindern darüber zu philosophieren.

Die Philosophie-Pädagogin Eva Zoller Morf hat vor über 30 Jahren das Philosophieren mit Kindern entdeckt und in Büchern und auf www.kinderphilosophie.ch publik gemacht.
Als Grossmutter freut sie sich nun über die kleinen Philosophen in ihrem Leben. Gerne nimmt sie auch Ihre Kinder­fragen entgegen, um zu überlegen und zu beschreiben, wie man damit umgehen könnte: redaktion@grosseltern-magazin.ch

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