50 Jahre Frauenstimmrecht: Die Frauen der GrossmütterRevolution erinnern sich

Barbara Bischoff (74), Marianne Stohler (74), Ruth Fries (71), Hanna Hinnen (73) und Monika Fischer (76) sind alle aktive Mitglieder der GrossmütterRevolution und erinnern sich an die Zeit vor 50 Jahren.


Barbara Bischoff (74)

Ich bin im Kanton St. Gallen aufgewachsen. Da ich 1970 bereits im Kanton Zürich gemeldet war, durfte ich an der ersten kantonalen Abstimmung teilnehmen (Olympiade in Zürich). Meine Mutter und meine ältere Schwester waren in diesem Jahr noch nicht stimmberechtigt und meine Mutter schimpfte die St. Galler hinterwälderisch. Ich weiss noch, dass ich einmal mit einem äl­teren Mann übers Frauenstimmrecht redete und er das Argument vorbrachte, dass es nichts bringen würde, da ja die Frauen eh wie ihre Männer stimmen würden. Da war ich 16 und hatte kein Gegenargument.


Marianne Stohler (74)

Ein grosses Thema am Familientisch war das Frauenstimmrecht vor allem vor der ersten nationalen Volksabstimmung 1959. Mein Vater kämpfte sehr aktiv in der Politik und meine Mutter äusserte sich vehement dafür im Familienumfeld.
So war für mich einfach klar, dass das Frauenstimmrecht etwas Selbstverständliches ist, ohne dass ich mich aktiv dafür engagierte. Auch nicht, als unsere Lehrerinnen in Basel nach der Ablehnung in Streik traten. Ich war zu jener Zeit noch recht naiv und Politik interessierte mich nur am Rande, obwohl zu Hause viel diskutiert wurde. Erst recht spät, nach der eidgenössischen Annahme wuchs mein Bewusstsein und mein Engagement für die politische und gesellschaftliche Gleichberechtigung der Frau.


Ruth Fries (71)

Als junge Frau musste ich oft im elterlichen Gastbetrieb aushelfen. Ich erinnere mich noch gut an die damaligen unsäglichen Stammtisch-Argumente gegen das Frauenstimmrecht. Für mich ein stetiges Lavieren zwischen der gebotenen Höflichkeit zum zahlenden Gast und dem Frust, vom Goodwill der Männer abhängig zu sein. Je später der Abend und höher der Alkoholkonsum, desto abstruser wurden die Ansichten. Damals habe ich geschwiegen und mein – meistens – üppiges Trinkgeld kassiert. Umso mehr freut es mich, dass nun das Frauenstimmrecht selbstverständlich ist. Aber leider gibt es auch heute noch haarsträubende Argumente, wann und wo immer Frauen sich engagieren. Aber heute schweige ich nicht mehr.


Hanna Hinnen (73)

Ich war damals an der Töchterschule der Stadt Zürich, da waren alle fürs Frauenstimmrecht. Wir hatten eine Mathematiklehrerin, die uns für das Thema erwärmt hatte. Sie war die erste Feministin, die ich kannte, und hat mit uns oft über die (mangelnden) Rechte der Frauen diskutiert. Sie wurde dann von den männlichen Kollegen weggemobbt und ging nach Houston in die Weltraumforschung. Ich nahm an mehreren Demos in Zürich teil. Zu Hause waren wir drei Töchter und die Mutter, die das Frauenstimmrecht wollten. Da konnte mein Vater fast nur dafür sein. Er hatte aber schon 1959 dafür gestimmt. Mein erster Urnengang war in Kloten, alle Frauen erhielten eine Rose. Dann zügelten wir in den Aargau, dort gab es das Stimmrecht erst ein Jahr später. Ich war total hässig, als ich das merkte. Aber es gab dann wieder eine Rose.


Monika Fischer (76)

An den Tag der Einführung des Frauenstimmrechts habe ich keine konkrete Erinnerung. Ich war wohl damals zu sehr mit meiner Schwangerschaft und der Vorfreude auf die Geburt des ersten Kindes beschäftigt. Als wäre es gestern erst gewesen, weiss ich hingegen, was ich in der Zeit vor dem Frauenstimmrecht empfand. Ich sehe mich vor meiner Schulklasse stehen. Der Gedanke daran, dass alle die gescheiten und die dummen Buben mehr Rechte hatten als die vielen, nicht minder klugen und fleissigen Mädchen, und auch als ich, ihre Lehrerin, lösten in mir Wut und Ohnmacht aus. Anfänglich war es kaum möglich, Frauen zu wählen, gab es doch auf den Listen nur wenige. Wann immer es ging, habe ich sie kumuliert.


Die GrossmütterRevolution ist ein langjähriges Projekt des Migros-Kulturprozents. Ziel der sozialen Bewegung ist es, bestehende oder sich bildende Netzwerke für Frauen der Grossmüttergeneration zu fördern, unabhängig, ob sie biologische Grossmütter sind oder nicht.
grossmütterrevolution.ch

Vom Sitzstreik bis zum Sitz im Parlament: Während des «Frauenmarsches nach Bern» werden die Tramgleise blockiert, 1. März 1969.

Weitere Beiträge zum Jubiläum