Warum das Enkelkind einer Leserin diese Frage wohl gestellt hat? Ich weiss es nicht. Ich würde sicherlich zuerst zurückfragen: Wie kommst du darauf, dass sie es können? Hast du denn schon einmal ein Tier weinen sehen? In einem Bilderbuch vielleicht? Dort kommt es sicher vor, weil die Tiere ja menschliche Rollen spielen. Aber die Tiere im Zoo oder in der Wildnis? Oder unsere Haustiere?
Von den Naturforschern wissen wir, dass fast alle Tiere ihre Augen mit einer Art Tränenflüssigkeit feucht halten. Bei den einen ist das gut erkennbar, bei Elefanten zum Beispiel sieht es manchmal so aus,
als würden sie weinen. Oder auch bei Krokodilen. Doch handelt es sich dabei wirklich um dieselbe Art von Weinen wie bei uns Menschen, wenn wir traurig sind oder Schmerzen haben? Oder aber wenn wir Zwiebeln schneiden? Oder vor lauter Lachen Tränen vergiessen?
Können Tiere weinen? Um sich einer Antwort anzunähern, untersuchen sowohl die Wissenschaftlerinnen wie die Philosophen immer zuerst ihre Begriffe: Was ist denn das genau, «weinen»? Wie unterscheiden sich die Anlässe, die zu Tränen führen? Und dasselbe gilt auch für den Begriff «Tier». An welche Tiere dachtest du bei deiner Frage? An dein Haustier? An den Elefanten? An das Kamel aus dem mongolischen Film «Das weinende Kamel»?
Ob Tiere überhaupt Emotionen fühlen, war lange umstritten. Doch heute geht man davon aus, dass insbesondere die höher entwickelten Tiere sehr wohl zu mehreren Gefühlen fähig sind. Freude, Angst, Wut, Traurigkeit … Jedes Kind, das ein Haustier hat, wird das leicht erkennen können. Dass diese Emotionen aber zu emotionalem Weinen führen, konnte bisher nicht nachgewiesen werden.

Die Philosophie-Pädagogin Eva Zoller Morf hat vor über 30 Jahren das Philosophieren mit Kindern entdeckt und in der Schweiz in Büchern und auf kinderphilosophie.ch publik gemacht.
Als Grossmutter freut sie sich nun über die kleinen Philosophen in ihrem Leben. Ihr aktueller Elternratgeber heisst «Selber denken macht schlau – Philosophieren mit Kindern und Jugendlichen» und ist bei Zytglogge erschienen. Gerne nimmt sie auch Ihre Kinder­fragen entgegen:
redaktion@grosseltern-magazin.ch

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