Das erste Sparkonto: Wie Enkel von Grosseltern Finanzkompetenz lernen
„Spare in der Zeit, dann hast du in der Not“ lautet das Motto, wenn Sie Ihren Enkeln finanzielle Selbstbestimmung beibringen wollen. Früh anfangen ist angesagt, denn selbst ein wenig Taschengeld ist eine Investition in die Zukunft der Kleinen. Eine beliebte Sparmöglichkeit ist das erste Sparkonto, denn es erfordert wenig Papierkram und kostet meist nichts. Doch welche Varianten an Sparkonten gibt es, und was müssen Sie beachten?

Taschengeld bewusst einsetzen und begleiten
Taschengeld erfüllt seinen Zweck vor allem dann, wenn es nicht nur ausgezahlt, sondern auch begleitet wird. Für Kinder entsteht der Lerneffekt weniger durch den Betrag selbst als durch die Erfahrung, eigene Entscheidungen zu treffen – und deren Konsequenzen zu erleben. Ob das Geld sofort ausgegeben oder über mehrere Wochen angespart wird, ist Teil eines Lernprozesses, den Grosseltern aktiv unterstützen können, etwa durch Gespräche über Wünsche, Ziele und Prioritäten.
Gleichzeitig lohnt es sich, klare Regeln zu vereinbaren: Wofür ist das Taschengeld gedacht – und wofür nicht? Diese Abgrenzung hilft Kindern, Verantwortung zu übernehmen, ohne überfordert zu werden. Orientierung dazu, was je nach Alter angemessen sein kann, bietet die empfohlene Taschengeldhöhe.
Enkeln finanziell unter die Arme greifen: Das sollten Sie sich fragen
Reicht etwas Taschengeld im Monat für mehr Selbstständigkeit oder ist eine langfristige Vorsorge durch gezielte Geldanlage die bessere Wahl? Als Grosseltern können Sie Ihren Enkeln auf verschiedene Weise beim Sparen helfen – wirklich falsch ist keine davon.
Um das beste „Sparschwein“ für Ihre Enkel zu finden, stellen Sie sich diese Fragen:
- Wofür möchten Sie mit Ihren Enkeln sparen? Sparziele können die Finanzierung eines Studiums oder finanzielle Unabhängigkeit in der Ausbildung sein. Auch der Führerschein, Wohnungsfinanzierung oder ein finanzielles Sicherheitsnetz sind häufige Gründe. Insbesondere regelmäßiges Taschengeld, zum Beispiel durch ein Taschengeldkonto auf Guthabenbasis, kann für die Finanzkompetenz im jungen Alter entscheidend prägen sein.
- Wie viel sollten Sie mit Ihren Enkeln sparen? Den „besten“ Sparbetrag gibt es nicht. Es kommt darauf an, wie gross das finanzielle Polster sein soll und ob das Ersparte als Taschengeld oder als Geldanlage dienen soll. Kleine bis mittlere Beträge liegen meist zwischen 25 und 100 Euro monatlich. Als Faustregel merken Sie sich, dass Ihre eigene Finanzplanung im Alter trotz aller Liebe zu den Enkeln immer Vorrang haben sollte.
- Warum sollten Sie Ihren Enkeln beim Sparen helfen? Emotionaler Reichtum ist finanziell nicht zu ersetzen, gemeinsam verbrachte Zeit ist daher wichtiger als jedes Geldgeschenk. Da sich jedoch vieles im Erwachsenenalter um Finanzen dreht, können Sie Ihren Enkeln frühzeitig finanzielle Verantwortung beibringen – unter anderem durch Taschengeld oder gezieltes Sparen.
Sparkonto eröffnen: Nur mit Zustimmung der Eltern?
Als Grosseltern können Sie Spar- und Taschengeldkonten im Namen Ihrer Enkel eröffnen. Dafür brauchen Sie jedoch immer die Einwilligung der Eltern. Ist das Vertrauensverhältnis nicht optimal, können Sie den Zugriff der Eltern auf die Geldanlage zumindest einschränken und trotzdem mit Ihren Enkeln sparen.
Eröffnen Sie dazu einfach ein Spar- oder Taschengeldkonto unter Ihrem Namen. Später können Sie die Anlage auf Ihre Enkel (ab 18 Jahren) übertragen oder den Betrag schenken (steuerfreier Schenkungsfreibetrag: 200.000 Euro). Zur Sicherheit lässt sich eine Vererbung der Rücklagen testamentarisch festlegen.
Vergessen Sie nicht, dass ein Sparkonto im Namen der Enkel diesen auch rechtlich gehört. Möchten Sie ein vorschnelles „Abräumen“ der Ersparnisse ab dem 18. Lebensjahr verhindern, empfiehlt es sich auch in diesem Fall, das Konto zunächst unter eigenem Namen zu führen.
Taschengeldkonto – erste finanzielle Unabhängigkeit
Taschengeldkonten werden von Banken kostenlos für Minderjährige angeboten und können auch von Grosseltern mit Einwilligung der Erziehungsberechtigten eröffnet werden. Dabei handelt es sich um Guthabenkonten für Überweisungen, Abhebungen und beschränktes Online-Banking, inklusive Girocard oder Prepaid-Karte. Eine Verschuldung oder Überziehung ist zur Sicherheit ausgeschlossen. Sie können zudem Limits für Geldtransaktionen festlegen und Kontobewegungen überwachen. Taschengeldkonten sind somit eine gute Lösung, um Enkeln die ersten Schritte in die finanzielle Selbstständigkeit zu ermöglichen.
Sparbuch für Enkel – die bewährte Sparoption
Die meisten Kinder vergessen nie, wie sie zum ersten Mal das volle Sparschwein zur Bank brachten, um das Ersparte aufs Sparbuch einzuzahlen. Erstmals 1818 eingeführt, sind Sparbücher auch heute noch eine unkomplizierte Möglichkeit, Geld sicher und transparent anzulegen.
Besonders praktisch: Es fallen keine Extragebühren an, Sie verfügen jederzeit über das Geld, zahlen Beträge nach Belieben ein und erzielen sogar Rendite. Ob Sie das Sparbuch zunächst auf sich oder für Ihre Enkel eröffnen, bleibt Ihnen überlassen. Auch Online-Banking wie Umbuchungen, Kontostandabfragen und Daueraufträge gehören dazu.
Ein kleiner Nachteil: Mit durchschnittlichen Jahreszinssätzen unter einem Prozent ist das Wachstumspotenzial für den Vermögensaufbau eher mau. Zudem ist die monatliche Verfügung meist auf 2.000 Euro gedeckelt.
Tages- oder Festgeldkonto – Sparen mit besserer Verzinsung
Mit durchschnittlich 2,5 bis 3,2 Prozent Zinsen bieten Tages- und Festgeldkonten deutlich bessere Zinsen als Sparbücher – vor allem durch Aktionszinsen. Wird das Konto für Ihre Enkel abgeschlossen, erhalten diese mit Volljährigkeit die volle Verfügungsmacht. Je nach Anbieter lassen sich Verfügungsrechte der Eltern zudem individuell einschränken.
Der wichtigste Unterschied zwischen Tagesgeld und Festgeld liegt im Zinssatz und in der Verfügbarkeit: Tagesgeldkonten bieten meist variable Zinsen, keine feste Laufzeit und vollen Zugriff auf Ihre Rücklagen. Beim Festgeld vereinbaren Sie einen festen Zinssatz für eine bestimmte Laufzeit, während der Sie nicht auf Ihr Guthaben zugreifen können, dafür aber von festen Zinsen profitieren.
Kinderdepot – Wertanlage für die Zukunft
Beim Kinderdepot handelt es sich um einen ETF-Sparplan, den Sie mit Einwilligung der Erziehungsberechtigten für Ihre Enkel eröffnen. Dabei investieren Sie gewünschte Beträge in Aktien, Fonds oder ETFs und profitieren dank Zinseszinseffekt von exponentiellem Vermögenswachstum. Während Erziehungsberechtigte das Depot treuhänderisch verwalten, gehört es rechtlich Ihren Enkeln. Ab dem 18. Lebensjahr erhalten diese volle Verfügungsmacht. Sie selbst geben somit die Kontrolle über die Rücklagen ab.
Freibeträge beim Sparen und Schenken beachten
Wenn Sie für Enkel Geld anlegen, sollten Sie bei Kontoeröffnung einen Freistellungsauftrag erteilen, um den Sparer-Pausch-Betrag zu sichern. Dadurch bleiben Renditen von jährlich 1.000 Euro steuerfrei. Achten Sie auch darauf, den Schenkungsfreibetrag von 200.000 Euro innerhalb von zehn Jahren nicht zu überschreiten.
Um den BAföG-Anspruch Ihrer Enkel nicht zu gefährden, sollten Sie das Konto unter Ihrem Namen mit dem Vermerk „für Enkel“ eröffnen. Der Grund: Studierende dürfen für vollen BAföG-Anspruch höchstens ein Vermögen von aktuell 15.000 Euro besitzen.
Grosseltern als finanzielle Stütze
Eine Befragung des Deutschen Instituts für Altersvorsorge zeigt, dass Grosseltern einen prägenden Einfluss auf ihre Enkel haben. Indem Sie die Finanzkompetenz Ihrer Enkel fördern, vermitteln Sie gleichzeitig auch Werte wie Verantwortungsgefühl, Vertrauen und Verlässlichkeit. Schon ein kleines monatliches Taschengeld sorgt für mehr Unabhängigkeit in der Freizeitgestaltung, während langfristiges Sparen Zukunftssicherheit stärkt, etwa durch eine vorfinanzierte Ausbildung. Am wichtigsten ist es, früh anzufangen, denn langfristig lohnt sich jeder Cent.

