Mit dieser Ausgabe starten wir bereits in unser viertes Jahr. Neu zum Team gehört Barbara Ehrensperger, Redaktorin, bereits seit Beginn dabei sind Melanie Borter, neu Chefredaktorin, und der Verleger Dominik Achermann. Die Redaktion freut sich über Ihr Lob und Ihre Kritik. redaktion@grosseltern-magazin.ch

Meine Grossmutter hatte ihren eigenen Coiffeursalon, mit wandgrossen Spiegeln, mit Stühlen, die man mit dem Fuss hochpumpen und wieder runterfahren konnte, zwei lauten Haartrocknungshauben und vielen duftenden und stinkenden Wässerchen. Im Vorschulalter verbrachte ich oft mehrere Tage bei meiner Grossmutter. Nicht weil ich dringend gehütet werden musste, sondern einfach weil ich so gerne bei ihr war. Dass sie jeweils arbeiten musste, während ich bei ihr war, störte mich und sie kein bisschen.
Weil sich ihr Damensalon in ihrer 4-Zimmer-Wohnung befand, konnte ich nach dem Aufstehen – oft war ich noch im Pyjama – einfach in den Salon gehen und ihr bei der Arbeit zusehen.
Mein Grosi war damals um die 60 Jahre alt, also uralt für ein fünfjähriges Mädchen. Mindestens genauso alt waren ihre Kundinnen. Mit nassen Haaren sahen sie dann alle noch viel älter aus. Ich fand, dass man die vielen Runzeln mit nassen Haaren einfach viel besser sah. Meine Grossmutter verbot mir eines Tages, diese Feststellung vor den Kundinnen immer und immer zu wiederholen. Natürlich gehorchte ich und wartete von da an jeweils ab, bis die Kundin gezahlt und die Wohnung verlassen hatte, bevor ich herausplatzte mit der Frage: «Gäll, Grosi, die Frau Huber ist aber alt». Dann kicherte mein Grosi jeweils.
Die Kundinnen störte meine Anwesenheit übrigens überhaupt nicht, zumindest nachdem ich aufgehört hatte, ihnen einen noch grösseren Spiegel vorzuhalten. Damals schien es für alle normal zu sein, dass die Enkelin dabei war, wenn die Grossmutter arbeitete.
Das ist heute anders. Welche Grossmutter kann ihre Enkelin zur Arbeit mitnehmen? Dabei engagieren sich Grosseltern heute intensiver in der Enkelbetreuung als früher. Wie Sie ab Seite 30 lesen können, übrigens auch immer mehr Grossväter. Dabei sind Grosseltern oft noch berufstätig, wenn das erste Enkelkind zur Welt kommt. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie betrifft also nicht nur die mittlere Generation. Die Soziologin Manuela Grieb untersuchte in ihrer Masterarbeit die Belastung von berufstätigen Grosseltern und kommt zum Schluss: Das Betreuen der Enkel ist ein Bedürfnis der Grosseltern, die Mehrfachbelastung durch Beruf und Familie und Haushalt ist jedoch hoch. Sie stellt deshalb klare Forderungen. Welche, lesen Sie in unserem Dossier ab Seite 50.

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Lesen. •

Melanie Borter, Chefredaktorin