Wir sind nicht die besten Freunde, haben es beide nie lange zusammen ausgehalten. Aber aus aktuellem Anlass schreibe ich dir heute ein paar unzusammenhängende Gedanken aus meinem Corona-Alltag mit zwei kleinen Kindern, einem berufstätigen Mann und Home-Office.

• Wir telefonieren täglich mit meiner Mutter, der Tatta unserer Kinder. Ich stelle sie anfangs immer auf Lautsprecher, so sind wir für einen kurzen Moment alle zusammen. Durch den intensiven Austausch hat sich der Inhalt unserer Gespräche verändert… Wir reden noch mehr über die Kinder. Aber auch über Ängste, Freuden. Und übers Essen.
• „Warum haben wir keine so grosse Wohnung wie mein Gotti“, fragt der Sohn regelmässig. Gute Frage.
• Wir schicken unendlich viele Fotos über Whatsapp an alle drei Grosseltern. Fotos kommen immer gut an, aber im Moment ganz besonders.
• Nonna überlegte, wie der Osterhase aus Windisch regelkonform nach Zürich kommen kann.
• Bei Konferenzschaltungen über Zoom sieht man selten vorteilhaft aus. Und: Man kann ein Magazin dank Internet auch im Home-Office machen. Aber ich gehe definitiv lieber ins Büro.
• Der Sohn sagt beim Einschlafen: „Ich hab Heimweh nach meiner Tatta.“ Ich verstehe ihn.
• Jeder Tag ist Karfreitag.
• Ich darf jeden Abend den Film für meinen Mann und mich bestimmen. Damit es nicht zu banal wird, schauen wir ihn in Originalsprache
• Highlights: Ich war dabei als sich das Baby zum ersten Mal an seinen Armen vorwärts krabbelte. Die Nachmittage mit unserer Peergroupfamilie. Das Glas Wein, das mir meine Nachbarinnen vor die Türe gestellt haben. Mein Geburtstag mit Gesang von Mann und Kind, mit Whatsapp-Telefonaten, mit all den Geschenken, Briefen, Blumen – sie sind mit Abstand grad nochmal so gut. Ich habe Glück.
• Mittlerweile bin ich Meisterin darin, Guetzli vor dem Vierjährigen zu essen, ohne dass er es mitbekommt.
• Meine Mutter sieht jetzt fünf Jahre jünger aus, sagt meine Schwester, die in ihrer Nähe wohnt. Ich dafür zehn Jahre älter.


… Diese Liste liesse sich noch weiterführen. Aber ich will Sie lieber auf das visuelle Tagebuch in unserem Magazin hinweisen:
Unsere Fotografen haben nämlich ebenfalls ihren Corona-Alltag festgehalten. Das Resultat ist eine eindrückliche Bildergeschichte aus der Schweiz, wie wir sie – wenn das alles ausgestanden ist – so schnell nicht wieder sehen werden (ab Seite 34).

Geben auch Sie uns Einblick in Ihr Tagebuch. Schreiben Sie uns, was Sie bedrückt oder begeistert, was Ihnen auffällt oder was Sie Neues ausprobiert haben. Wir sind gespannt.
Im „Grosseltern“, welches Sie in der Hand halten, haben wir die Agenda, Basteltipps oder Rezepte bewusst weggelassen. Sobald wir vom Social Distancing Abstand nehmen dürfen, wird unser Service-Teil wieder wie gewohnt erscheinen.
Bis dahin: Geniessen Sie die Lektüre. •

Geraldine Capaul (40) ist erstaunt darüber, wie viel in dieser zurückgezogenen Zeit passiert. Originelles, Schönes und ja, auch, weniger Schönes.

One thought on “Liebes Tagebuch

  • 17. Juli 2020 um 21:13
    Permalink

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