Neah Hefti rettet eine Badi und wird das neue Heidi
Neah Hefti spielt im aktuellen Kinofilm «Plitsch Platsch forever!» die Hauptrolle. «Sie macht das sehr ruhig und natürlich», sagt ihre Grossmutter Heidy Hefti.

Von Eveline Rutz (Text) und Sibylle Meier (Fotos)
Neah Hefti ist neugierig und gerne mit Freund:innen unterwegs. Das verbindet sie mit Pola, der Hauptfigur von «Plitsch Platsch forever!». «Wir sind uns ähnlich», sagt Neah. Im Sommer ist die 12-Jährige häufig in der Badi anzutreffen. Sie hat früh schwimmen gelernt und liebt es, im Wasser zu plantschen. «Das Thema ist cool», sagt sie daher über den Familienfilm, der am 16. April in den Schweizer Kinos angelaufen ist. Er handelt von Freundschaft, der Badi «Plitsch Platsch», die aus Spargründen geschlossen wird, und politischem Engagement (siehe unten).
Die Dreharbeiten im Schwimmbad Geren in Birmensdorf sind Neah denn auch in besonders guter Erinnerung. «Wir hatten es sehr lustig», erzählt sie und erwähnt Szenen auf der Rutschbahn sowie beim Sprungbrett. In den Drehpausen dachten sich die Kinderdarsteller:innen allerlei Spiele aus. Oder sie tanzten den Flashmob, mit dem sie im Film für ihre Unterschriftensammlung werben. Betreut wurden die 8- bis 14-Jährigen am Set von erfahrenen Kindercoaches.
Am Set ist Geduld gefragt
Auch Neahs Familie war ab und zu vor Ort. Ihre Mutter und ihr älterer Bruder übernahmen kleine Statist:innenrollen; sie mimten etwa Badibesuchende und spielten gemeinsam Volleyball. Ihre Grossmutter väterlicherseits verfolgte einen Drehtag als Zuschauerin. «Ich war erstaunt, wie viele Leute an einem Film mitarbeiten», sagt Heidy Hefti beim Treffen in ihrer Wohnung. Ebenfalls neu war für sie, dass einzelne Szenen unzählige Male wiederholt werden – um sie beispielsweise aus verschiedenen Perspektiven festzuhalten. «Das braucht Geduld», sagt die 80-Jährige anerkennend. Sie erzählt, wie ihre Enkelin immer wieder ins Wasser springen und sich dazwischen jeweils die Haare trocknen lassen musste. «Sie hat das so ruhig und natürlich gemacht. Ich war richtig stolz.»
Heidy Hefti ist eine engagierte Grossmutter. Sie ist vor 13 Jahren von Zürich nach Adliswil gezogen, in die Nachbarschaft ihres Sohnes. In den ersten Jahren hat sie Neah und deren Bruder Tim tageweise betreut. Heute verbringt sie regelmässig ein Mittagessen mit den beiden. «Sie nimmt sich immer Zeit für uns», sagt Neah. Ihr «Nani» sei hilfsbereit, habe Humor und koche sehr gut. «Spaghetti Eugenio» zum Beispiel. Aber auch «Hörnli und Ghackets» und «Spätzli mit Rahmsauce» bereitet Heidy häufig zu. «Damit kann ich nicht viel falsch machen», meint sie schmunzelnd. Sie kümmere sich gerne um ihre Grosskinder, sagt sie. «So bin ich in ihr Leben involviert.»
Zur Filmbranche oder zum Theater hatte die Familie Hefti bislang keinen besonderen Bezug. Dass Neah in die Schauspielerei einsteigen würde, lag nicht unbedingt nahe. «Sie ist sehr kreativ», sagt Heidy, und zeigt auf ein farbenfrohes Bild an der Wand. «Wir haben früher oft zusammen gezeichnet und gebastelt; wir haben hier Hütten gebaut und Rollenspiele gemacht.» Neah ist breit interessiert. Sie liebt Tiere, kickt im lokalen Fussballverein, puzzelt und malt gerne.
Vor drei Jahren stand sie erstmals vor einer Filmkamera, nachdem sie sich an eine Casting-Agentur gewandt hatte. Sie wirkte in einer Weihnachtskampagne der Migros mit und fand Gefallen daran, in eine andere Rolle zu schlüpfen. «Das wollte ich weiterhin tun», sagt sie. Im März 2025 bewarb sie sich als Darstellerin für den Kinderfilm «Plitsch Platsch forever!». Sie absolvierte mehrere Castings und Konstellationstests; sie kam Runde für Runde weiter und wurde schliesslich für die Hauptrolle besetzt. «Dass ich Pola spielen könnte, wurde erst mit der Zeit klar», erzählt Neah. Über die Zusage habe sie sich dann sehr gefreut.
Lange Dialoge, Frühes Aufstehen
«Ich war von Anfang an zuversichtlich», sagt Grossmutter Heidy. Sie hat mitbekommen, wie sich der Kreis der ursprünglich rund 450 Bewerbenden kontinuierlich verkleinerte. Dass ihre Enkelin letztlich engagiert wurde, überraschte sie nicht. Neah sei selbstbewusst und ausdauernd, so Heidy. «Sie weiss genau, was sie will.»
Sie werde «nicht übertrieben nervös», sagt die Sechstklässlerin. Das sei sicher ein Vorteil. An der Arbeit für «Plitsch Platsch forever!» habe ihr «eigentlich alles gefallen», fährt sie fort. Sie habe sich mit den anderen Darsteller:innen und der Crew gut verstanden. Sie habe viel gelernt und sich etwa rasch daran gewöhnt, sich lange Dialoge einzuprägen. Der Regen und die kalten Temperaturen zu Beginn des Drehs hätten sie nicht gross gestört, sagt Neah. Anstrengend fand sie einzig, wenn sie zeitig am Set sein musste. «Früh aufstehen liegt mir nicht», verrät sie.
Die Schulleitung gewährte ihr für die Dreharbeiten im Sommer 2025 eine zusätzliche Woche unterrichtsfrei. Spätere Arbeiten – wie das Nachvertonen oder das Fotoshooting für das Filmplakat – erledigte Neah dann vor allem an Wochenenden. Von ihrem ersten Engagement beim Film nimmt Neah viele positive Erfahrungen mit. Sie möchte ihrer Leidenschaft dereinst auch beruflich nachgehen. «Ich möchte Schauspielerin werden», sagt sie.
Ein prestigeträchtiges Projekt steht der Adliswilerin bereits bevor. Sie wird die weltweit bekannte Kinderbuchfigur Heidi spielen. «Heidi kümmert sich um andere und ist mutig – das gefällt mir», sagt Neah, die sich gegen eine grosse Konkurrenz durchgesetzt hat. Sie freut sich insbesondere darauf, mit Tieren zu drehen. «Das wird etwas Besonderes», ist sie sich sicher. Und Grossmutter Heidy wird ihrer Enkelin gerne dabei zuschauen, wie sie nach Pola erneut ein neugieriges und initiatives Mädchen spielt.
Von Mut, echter Freundschaft und dem Erwachsenwerden
Pola (Neah Hefti) freundet sich mit Polly (Zazie Mawete) an. Die beiden verbringen unbeschwerte Stunden in der Badi «Plitsch Platsch», wo Pollys Eltern wirten. Als das Freibad wegen finanzieller Probleme geschlossen wird, wandert Pollys Familie nach Toronto aus. Für Pola bricht eine Welt zusammen. Doch: Sie rappelt sich auf und beginnt zu kämpfen. Sie sucht sich Verbündete und lanciert eine Petition, um «ihre» Badi zu retten. Sie ist überzeugt, dass ihre beste Freundin dann zurückkehren wird.
«Plitsch Platsch forever!» ist ein originärer Kinder- und Familienfilm aus der Schweiz. Er ist gezielt für das hiesige Publikum (ab 6 Jahren) entwickelt worden und spricht dieses auf Augenhöhe an. «Die Kinder sollen sich wiedererkennen», sagt Regisseurin Natascha Beller. Der Film nehme Figuren und Themen aus ihrer Lebensrealität auf. Gedreht wurde unter anderem in Birmensdorf, Bremgarten und Brugg. Gesprochen wird Schweizerdeutsch. Sabina Gröner hat das Drehbuch geschrieben. Für die Produktion ist Sarah Born von CATPICS verantwortlich. Das SRF ist als CO-Produzentin involviert. «Plitsch Platsch forever!» ist an Kinderfilmfestivals in Schweden und Norwegen gezeigt worden.
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