Die Zeit! Ein uraltes Thema für alle Menschen. Schon bei den alten Sumerern und bei den Ägyptern fand man erste mechanische Versuche, die Zeit zu messen. Und natürlich hatte die Sonne schon vor Jahrtausenden den Menschen mitgeteilt, wann es Zeit war, aufzustehen oder zu Bett zu gehen. Doch wirklich spannend fanden es die ersten Philosophen des Abendlandes: Sie wollten die Zeit nicht nur messen und einteilen, sondern sie stellten sich die Frage: Was ist denn die Zeit überhaupt für ein Ding? Einer von ihnen, Aurelius Augustinus, Bischof von Hippo (das lag im heutigen Algerien), Kirchenvater und Philosoph des 4. Jahrhunderts, schrieb zu dieser Frage: «Wenn mich niemand darüber fragt, so weiss ich es; wenn ich es aber jemandem erklären möchte, so weiss ich es nicht.» (Aus Confessions – Bekenntnisse). Vielleicht geht es Ihnen bei einer Kinderfrage ja bisweilen auch so, deshalb heisst es jetzt, dem fragenden Kind eine Chance zu geben, selber Philosophin oder Philosoph zu spielen und Sie spielen dabei die «Hebamme» für die Weisheiten der Kinder. «Sokratische Hebammenkunst – Mäeutik» nennt die Fachphilosophie diese Methode, mit welcher der alte Grieche seinen Mitbürgern geholfen haben soll, selber eine richtige Antwort zu einer gestellten Frage zu finden. Vielleicht hätte er einem Kind seine Frage zurückgegeben: «Wann sind dir denn 10 Minuten ganz kurz vorgekommen?» «Na, bei der Gute-Nacht-Geschichte! Da waren es sicher nicht einmal ganze 10 Minuten gewesen.» «Aha! Und wann schienen dir die 10 Minuten ganz lang?» «An meinem Geburtstag, als Mama sagte, dass mein Götti in 10 Minuten da sein würde und ich dann mein Geschenk öffnen dürfe.»

Wir suchen weitere Beispiele (auch Grosseltern dürfen Beispiele beitragen), bis wir schliesslich versuchen können, daraus eine Art Regel abzuleiten: Ist es vielleicht so, dass immer, wenn man auf etwas wartet, 10 Minuten ganz lange scheinen, und wenn man etwas Schönes erlebt, dünken sie uns viel zu kurz?

Bilderbuch zum Philosophieren mit Kindern über die Zeit: «Sven und Sara auf der Suche nach der Zeit», Marcel Portillo, Margret Baumann, Eva Zoller Morf, Lauitor Verlag, 35 Franken.

Die Philosophie-Pädagogin Eva Zoller Morf hat vor über 30 Jahren das Philosophieren mit Kindern entdeckt und in Büchern und auf kinderphilosophie.ch publik gemacht.
Als Grossmutter freut sie sich nun über die kleinen Philosophen in ihrem Leben. Gerne nimmt sie auch Ihre Kinder­fragen entgegen, um zu überlegen und zu beschreiben, wie man damit umgehen könnte: redaktion@grosseltern-magazin.ch

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