Schon mit zwei bis drei Jahren wird der Tod für Kinder «interessant». Sie scheinen ihn, nur schon wegen der Wirkung, die ihre Fragen darüber bei Erwachsenen auslösen, als etwas Wichtiges wahrzunehmen. Ein überfahrener Igel liegt am Strassenrand. «Ist er tot?» – «Rühr ihn nicht an!», wäre vielleicht die spontane Reaktion, die uns zuerst einfiele. Oder: Die kranke Katze muss vom Tierarzt eingeschläfert werden. «Wann wacht sie wieder auf?» – «Nie mehr. Sie ist ja tot.» «Warum ist Opa gestorben?» – «Weil er schon sehr alt war.» Fragen wie diese brauchen sachliche Antworten: «Nein, die Katze kann nicht mehr aufwachen. Sie lebt nicht mehr.» Aber auch wachsame Empathie: Will das Kind wirklich wissen, weshalb der Opa gestorben ist, oder hat es schon gespürt, wie traurig das sein wird, wenn die Familie ohne ihn wird weiterleben müssen?
Warum sterben wir? – Ein Kind, das so fragt, hat verstanden, dass der Tod uns alle betrifft, von der lästigen Fliege bis zu unseren liebsten Menschen – und sogar uns selbst! Diese Tatsache empörte eine neunjährige Schülerin offenbar so sehr, dass sie über Wochen ihre Mutter mit der wiederholten, trotzigen Aussage bedrängte: «Ich will nicht sterben!» Sie war zu der Zeit aber weder krank noch irgendwie bedroht, was ihr die Mutter mehrfach zu erklären versuchte. Doch das Mädchen liess sich nicht beruhigen. Wogegen es sich so heftig auflehnte, war die erschreckende Wahrheit, dass alles Lebendige dereinst sterben wird. Also auch wir alle! Ich riet daher der Mutter, sich mit der Tochter zu solidarisieren: Ja, die Gedanken an unseren Tod und die Vergänglichkeit allen Lebens sind wirklich schwer zu ertragen. Nicht umsonst versuchen die Menschen seit Jahrhunderten, den Tod zu überlisten, wie es manche Märchen erzählen, oder ihn wenigstens mittels Medizin und Technik möglichst weit hinauszuschieben. Wie schön, dass wir hoffentlich noch lange Zeit haben werden, miteinander das Leben vor dem Tod zu geniessen …
Warum sterben wir? Welchen Sinn soll das haben? Die Antwort darauf finden manche Menschen im Glauben. Die alten griechischen Denker aber stellten die Frage etwas anders: Wie sollen wir leben, damit der Tod seinen Schrecken verliert? Und sie erkannten: Philosophieren heisst sterben lernen, heisst verstehen: Wir sterben, weil wir leben! Dann aber heisst die Frage: Was ist ein sinnvolles Leben?

Die Philosophie-Pädagogin Eva Zoller Morf hat vor über 30 Jahren das Philosophieren mit Kindern entdeckt und in der Schweiz in Büchern und auf kinderphilosophie.ch publik gemacht.
Als Grossmutter freut sie sich nun über die kleinen Philosophen in ihrem Leben. Ihr aktueller Elternratgeber heisst «Selber denken macht schlau – Philosophieren mit Kindern und Jugendlichen» und ist bei Zytglogge erschienen. Gerne nimmt sie auch Ihre Kinder­fragen entgegen:
redaktion@grosseltern-magazin.ch

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