Fabian Bucher (38)Hannes Bucher (68)
Ja, ich denke, meine beiden Schwestern und ich sind gut erzogen. Unsere Cousinen und Cousins bekamen oft zu hören: «Buchers Kinder dürfen das auch nicht.» Ich möchte, dass das auch bei meinen Kindern so ist, dass sie als gut erzogen wahrgenommen werden. Aber vo nüd chonnt nüd. Also mühe ich mich bei unseren Kleinen ab. Achte darauf, dass Jan am Tisch erst isst, wenn alle da sind. Dass Mara auch nach dem Essen sitzen bleibt. Wie bei allen Kindern sind ihre Wunschlisten endlos lang. Ich pflege dann zu sagen: Wünsch dir das doch auf den nächsten Geburtstag. Tönt alles ganz einfach, ist aber ein Rund-um-die-Uhr-Job. Im Hinterkopf habe ich jeweils meine eigenen Eltern, als ich Kind war: Sie setzten klare Grenzen. Klar, das hat mich immer wieder genervt. Ich habe mich auch dann und wann dran gestossen, sie (meist vergeblich) zu verschieben versucht. Gerade wenn es bei Gspänli zu Hause anders zu und her ging. Ferngesehen habe ich deshalb vornehmlich bei meinem besten Freund. Oder wir versuchten es heimlich, immer auf der Hut, nicht erwischt zu werden. Ob mein Medienkonsum dadurch geringer war? Vermutlich nicht. Aber ich kannte meine Grenzen, konnte mich auch mal zurückhalten. So geht es hoffentlich meinen Kindern. Und daran halte ich mich – auch wenn mir mein Vater heute ab und zu sagt: «Sei doch nicht so streng mit den Kleinen.»•
Da sitzt der kleine Jan im Kindersessel, blickt freudig und erwartungsvoll auf den Teller. So fein, Spaghetti mit der leckeren roten Sosse! Der Zweijährige greift zur Gabel. Endlich «Zmittag»! Und erst noch Spaghetti. «Fein, gell, das liebst du – und Grossmami und ich auch», sagt Grosspapi. Die Kinder wissen, wie ungemein gern Sohn Fabian diese Pasta hatte und hat. Kaum warten und schon gar nicht genug bekommen konnte er jeweils. Aber jetzt ist Fabian selber Papi, und er ist in der anderen Rolle. Und die verfolgt er konsequent. Jans vierjähriges Schwesterchen Mara vis-à-vis weiss das. Mara freut sich ebenso auf die Pasta, aber eben – Papi ist noch am Schöpfen. Ringsum wurde auch noch nicht «e Guete» gewünscht. Also gilt es zu warten. Und so heisst es denn auch schon von Papis Seite her unmissverständlich: «Jan, tue no warte!» Jan blickt zu den Grosseltern, er sieht ihren Blick, die «Botschaft» darin: «Wir verstehen ja so gut, dass du nicht widerstehen kannst.» Und dann sagt Grosspapi – oder denkt er nur laut: «Fabian, sei doch nicht so streng!» Im Wissen aber, dass der Sohn es schon richtig macht, bestimmt wird das Warten-Können den beiden im Leben zugutekommen. Aber es ist halt «scho chli streng …». Und der kleine Jan tut einem halt im Moment schon sehr leid …•


Fabian Bucher (38)
ist Produzent beim Schweizer Fernsehen SRF. Er ist verheiratet und Vater von Jan, zweieinhalb, und Mara, vier Jahre alt. Fabian arbeitet in einem Teilzeitpensum und hat so zwei Tage pro Woche, die er allein mit den Kindern ist. Er lebt mit seiner Familie in Zürich.

Hannes Bucher (68)
hat bis zu seiner Pensionierung als Schulleiter gearbeitet. Er ist verheiratet und hat einen Sohn und zwei Töchter. Seine sieben Grosskinder sind zwischen zwei und acht Jahren alt. Er wohnt im Kanton Luzern und schreibt als freier Journalist.