So erinnert sich Sepp Trütsch an seine Grosseltern

Sepp Trütschs Grossvater mütterlicherseits war ein Schwinger, sein Onkel sogar ein preisgekrönter. Bei Schwingfesten kam Sepp als «Täfelibueb» zum Einsatz. Sein Talent wurde dann aber doch das Jodeln, nicht das Schwingen.

Von Karin Dehmer (Aufzeichnung)

Wir waren drei Josef Trütsch im selben Haus: Grossvater, Vater, Sohn. Wenn ich einen Brief bekam, hatten ihn vor mir schon zwei andere gelesen. Deshalb habe ich mich später Sepp genannt. Das steht auch in meinem Pass so, «Josef, genannt Sepp». Die Grosseltern väterlicherseits lebten mit meinen Eltern, meinem Bruder Freddy und mir im selben Haus oberhalb von Schwyz. Ich hatte eine sehr schöne Kindheit. Wir waren nicht auf Rosen gebettet, aber wir hatten es gut. Grossvater war mein Liebling. Ich glaube, er hat mir schon mit vier Jahren das Jassen beigebracht. Er war früher Älpler gewesen. Schon damals betrieb er eine Form der heutigen Alpwirtschaften. Mit Getränken und selbst gemachtem Käse bediente er Wanderer. Er war ein lustiger Kerl, ein Original. Das sprach sich herum und die Leute kehrten gern bei ihm ein. Grossmutter war die Liebe in Person. Nie wurde sie laut, nie war sie «hässig» mit uns Buben. Wenn sie mich mit nach Schwyz nahm, kaufte sie mir eine Vivi Cola oder etwas zum Schlecken. Mit den Grosseltern gingen wir auch z’Bärg. Sie lehrten mich die Namen der Alpenblumen und der Berge, mit ihnen bestieg ich zum ersten Mal den Mythen.

Ein Fünfliber fürs Bravsein
Grossvater betrieb nach der Pensionierung noch ein wenig Landwirtschaft. Er hatte zwei Schweine und zwei Kühe und etwas Land. Wir Brüder halfen ihm. Selbst als ich bereits ins Kollegi ging, musste ich nach der Schule mit ihm heuen. Er hatte keine Maschinen, unser Traktor waren unsere Buckel. Nein, geweigert habe ich mich nie. Für mich war es selbstverständlich, den Grosseltern und Eltern zu helfen. Ich war ein angepasster Teenager, kleidete mich auch stets anständig. Meine Familie steckte mir manchmal zur Belohnung für mein korrektes Auftreten einen Fünfliber zu.
Die Eltern meiner Mutter lebten in Schwendi oberhalb Sarnen. Sie waren Bauern. Dieser Grossvater war Schwinger, ein stattlicher Mann. Der Bruder meiner Mutter, Josef Jakober, war zu seiner Zeit sogar ein bekannter Schwinger. Er nahm mich jeweils mit zu den Schwingfesten, vorne auf seinem Norton-Töff. Ich war der «Täfelibueb». Einmal verlor mein Onkel einen Kampf und ich weigerte mich, die 0 an die Tafel zu hängen. Selbst habe ich nur einmal an einem Jung­schwingtag mitgemacht. Mutter hat mit mir geschimpft. Sie wollte nicht, dass ich wie ihr Vater und Bruder Verletzungen davontrug.

Als Familienvater war ich ja leider kein besonderes Vorzeigeobjekt. Ich war viel unterwegs und wenig zu Hause. Diese verlorene Zeit hole ich jetzt mit meiner fünfjährigen Enkeltochter nach. Ich gebe mir Mühe, viel mit ihr zu unternehmen. Sie heisst Louise wie meine Mutter, ihre Urgrossmutter. Louises Vater übrigens, mein Sohn, der heisst natürlich auch Josef. •


Sepp Trütsch (70) war von 1980 bis 2002 TV-Moderator für Volksmusiksendungen
im Schweizer Fernsehen. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und ein Enkelkind und
lebt in Schwyz.

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