Sieben Männer und ihre Kinder – Bilder von 1989 bis 2018

1989 war das Jahr der Wende. Ganz besonders für sieben Männer, die in diesem Jahr alle zum ersten Mal Vater wurden und so auch eine ganz persönliche Wende in ihrem Leben erfuhren. Philipp Rey wollte diesen Moment fotografisch festhalten. Aus einem Foto wurde eine ganze Serie, die nun im Historischen Museum in Baden zu sehen sein wird.

Von Melanie Borter (Text) und Felix Wey (Fotos)

Die Idee zum aussergewöhnlichen Fotoprojekt «Die sieben Glorreichen» hatte Philippe Rey, auf dem Foto steht er ganz rechts. Er organisierte 1989 sieben Männer mit ihren Kindern für ein erstes Gruppenfoto und trommelte anschliessend Jahr für Jahr die Gruppe wieder zusammen. Entstanden ist eine einzigartige fotografische Dokumentation, die nun zum ersten Mal gezeigt wird.
Und so kam es dazu: Wir schreiben das Jahr 1989, Anfang November, als die Berliner Mauer bröckelte und schliesslich fiel. Damals herrschte Aufbruchsstimmung, die Wende war allgegenwärtig und spürbar. Weltweit. Ein paar Monate zuvor war Philippe Rey zum ersten Mal Vater geworden. Diese persönliche Wende in seinem Leben passte zum Weltgeschehen, verstärkte beim jungen Vater das Gefühl des Aufbruchs. Und er wusste, er war nicht der Einzige, dem es so erging: «Wie das so ist, wenn man zum ersten Mal Vater wird, sieht man plötzlich nur noch Menschen mit Kinderwagen durch die Strassen gehen», erinnert er sich heute. «Ich wollte diesen Moment festhalten. Also rief ich ganz viele meiner Freunde an, die ebenfalls im selben Jahr Vater geworden waren, und lud sie ein, zusammen mit mir ein Gruppenfoto zu machen.» Über zwölf Telefonate führte Rey, schliesslich waren es sieben Väter mit ihren Babys, die sich vom Fotografen Felix Wey ablichten liessen. «Eine magische Zahl», findet Rey und nennt sie die sieben Glorreichen, in Anlehnung an den Film «die glorreichen Sieben» von 1960. Denn auch sie sind «herti Sieche», «echte Männer», coole Cowboys, die mit emanzipierten Partnerinnen in dieser Zeit der Wende eine Familie gründen. Während die Vaterrolle lange von Stichworten wie Autoritätsperson, Ernährer oder Disziplinierer geprägt war, brachte die 68er-Generation dieses Rollenbild ins Wanken. Der neue Vater war der Unentschlossene, der Doppelbelastete, das «Weichei» voller Mitgefühl. Die sieben Glorreichen stehen für diesen Wandel und läuten eine Postmoderne ein: Sie sind die Cowboys der Familie, archaisch männlich und fürsorglich zugleich. Sie dokumentieren mit ihren Fotos diese Zeit der Transformation über dreissig Jahre. Von 1989 bis 2009 und zum 30. Jubiläum im Dezember 2018 haben sich die sieben Glorreichen mit ihren Kindern am ersten Sonntag im Dezember ablichten lassen, immer auf demselben Platz, mit der gleichen Aufstellung vom gleichen Fotografen. «Um alle bei der Stange zu halten, habe ich jeweils Postkarten gedruckt, die wir als Weihnachtskarten verschicken konnten», erzählt Rey. Woher nahm er die Motivation, diese Treffen immer wieder zu organisieren, die Väter und die heranwachsenden Kinder und Jugendlichen Jahr für Jahr zu motivieren? «Idealismus», antwortet er nach einer kurzen Pause und fügt an: «Ich bin sehr happy, dass die Fotos nun im Landvogteischloss in Baden gezeigt werden.» Die nächste Wende im Leben von Philippe Rey und den restlichen sechs Männern steht noch bevor: «Ich kann natürlich nur für mich reden, glaube aber, den andern geht es ähnlich: Ich wäre gerne Grossvater», sagt er. Und fügt gleich an, dass das nicht seine Entscheidung sei. «Unsere Kinder sind alles selbstständige Menschen, die noch andere Prioritäten haben, bevor sie eine Familie gründen möchten, und das ist gut so. Mein Sohn zum Beispiel ist gerade an seiner Doktorarbeit.» Aber die Chancen stehen gut: Alle Kinder auf den Fotos sind heute liiert. «Ich bin überzeugt, in den nächsten drei bis vier Jahren wird es losgehen.»•

Vernissage in Anwesenheit der sieben Glorreichen, ihrer Kinder und des Fotografen, mit Ansprache von Projektinitiator Philippe Rey und Musik von Toni und Moreno Donadio. 8.12.2019, 11 Uhr.
Fotoausstellung 10.12.2019 bis 1.3.2020
Historisches Museum Baden museum.baden.ch

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