Stefan Gubser erinnert sich an seine Grosseltern

Die Reisefreudigkeit hat er von seinem Grossvater, das Lieblingsessen von seiner Oma: Stefan Gubser erinnert sich an seine Grosseltern, deren Kennenlerngeschichte schon ein Abenteuer für sich ist.

Von Geraldine Capaul (Aufgezeichnet)

Meine Oma war eine Seele von einem Menschen, eine richtige Bilderbuchgrossmutter. Meine Schwester und ich waren oft bei meinen Grosseltern in Zürich, oft auch mehrere Tage am Stück, und jedes Mal hat sie mein Lieblingsessen gekocht: Voressen mit Kartoffelstock und Rüebli.
Ich erzähle hier von meinen Grosseltern mütterlicherseits, weil ich sie viel besser kennen durfte. Einerseits weil wir öfter bei ihnen waren und andererseits, weil die Eltern meines Vaters sehr früh gestorben sind. Was ich noch weiss: Beide meine Opas haben Zigarre geraucht. Ich habe sie genau vor Augen, wie sie da sassen mit ihrer Zigarre im rechten Mundwinkel.
Mein Grossvater war das Gegenteil meiner Oma. Aufbrausend, fast ein wenig cholerisch. Ich erinnere mich an eine Episode mit dem Radio. Das war ein Röhrenradio, ich war etwa vier Jahre alt und sehr fasziniert davon. Mein Grossvater erwischte mich, wie ich daran rumschraubte, und stauchte mich gewaltig zusammen. Das sei kein Spielzeug! Trotz dieser strengen Seite liebe ich ihn bis heute.
Da gibt es auch noch die Geschichte mit meiner Tante. Sie wollte studieren. Aber mein Grossvater befahl ihr, die Handelsschule zu machen, danach sollte sie heiraten. Heimlich holte sie die eidgenössische Matura mit grossem Latinum nach und begann, Medizin zu studieren. Nachdem sie die erste Zwischenprüfung mit Bestnoten bestanden hatte, erzählte sie alles ihrem Vater. Er brach fast zusammen – vor Stolz. Und hatte Tränen in den Augen. Meine Tante wurde ordentliche Professorin und hat am Zürcher Universitätsspital die Herzchirurgie mit aufgebaut. Meine Mutter schlug den von ihrem Vater vorgegebenen Weg ein, machte die Handelsschule und arbeitete als Sekretärin bei der Nestlé in Vevey, wo sie meinen Vater kennenlernte.
Die Kennenlerngeschichte meiner Grosseltern ist etwas ungewöhnlicher: Sie trafen sich Anfang des 20. Jahrhunderts in Kairo. Mein Grossvater war da als Ingenieur auf Montage, meine Grossmutter Au-pair. Als sie in die Schweiz zurückkamen, heirateten sie und gründeten eine Familie.
Diese Reisefreudigkeit scheine ich von ihnen geerbt zu haben. Ich war lange Zeit in Australien, Brasilien und an der Südsee. Eine gewisse Frechheit, den Hang zu unkonventionellen Wegen und die kurze Zündschnur hat mir vermutlich auch mein Grossvater mitgegeben.
Von meiner Oma habe ich die Grosszügigkeit und Hilfsbereitschaft. Und mein bis heute liebstes Gericht ist Voressen mit Kartoffelstock und Rüebli.

Zur Person

Stefan Gubser (68) ist Schauspieler und zählt seit Jahren zu den bekanntesten Gesichtern der Schweizer Film- und Fernsehlandschaft. Einem breiten Publikum wurde er unter anderem mit Rollen als Komissar in «Eurocops», im «Tatort» oder zahlreichen Kinofilmen und Bühnenauftritten bekannt. Neben seiner Arbeit vor der Kamera engagiert sich Gubser auch sozial: Er unterstützt unter anderem die Stiftung Yara und setzt sich für deren neu eröffnete Kita ein. Die Stiftung fördert spezialisierte Betreuungsangebote für Vorschulkinder mit seltenen oder schweren chronischen Erkrankungen und schliesst damit eine Versorgungslücke in der Schweiz. Stefan Gubser ist Vater einer Tochter und lebt mit seiner Frau in Winterthur.
stefangubser.com / kitayara.ch