Wenn die Enkel über Nacht bleiben: So wird der Besuch für alle entspannt

Eine Übernachtung bei den Grosseltern ist für viele Kinder etwas Besonderes. Schon das Packen der Tasche, die Wahl des Lieblingskuscheltiers und die Aussicht auf einen Abend ohne die Eltern machen den Besuch aufregend. Gerade vor der ersten Übernachtung stellt sich jedoch oft die Frage, was dem Enkelkind Sicherheit gibt und wie sich mit möglichem Heimweh umgehen lässt.



Dafür braucht es weder ein perfekt eingerichtetes Kinderzimmer noch ein umfangreiches Unterhaltungsprogramm. Ein gewohnter Ablauf, ein sicherer Schlafplatz und das Gefühl, mit den eigenen Bedürfnissen ernst genommen zu werden, helfen Kindern dabei, sich auch ausserhalb des eigenen Zuhauses wohlzufühlen.


Vor dem Besuch die wichtigsten Dinge klären

Auch wenn Grosseltern ihre Enkel gut kennen, lohnt sich vor der Übernachtung ein kurzes Gespräch mit den Eltern. Gewohnheiten können sich gerade bei jüngeren Kindern schnell verändern. Deshalb sollte geklärt werden, wann das Kind normalerweise schlafen geht, ob es ein bestimmtes Einschlafritual gibt und welche Regeln bei Süssigkeiten, Fernsehen oder der Nutzung von Smartphone und Tablet gelten.

Ebenso wichtig sind gesundheitliche Hinweise. Allergien, Unverträglichkeiten, Medikamente oder Besonderheiten beim Essen sollten nicht erst am Abend zur Sprache kommen. Wer frühzeitig weiss, worauf zu achten ist, kann den Besuch entspannter angehen, für eine gute Schlafhygiene sorgen und muss nicht kurzfristig improvisieren.

Hilfreich ist ausserdem die Frage, wie das Enkelkind reagiert, wenn es müde wird. Manche Kinder ziehen sich zurück, andere reden besonders viel oder werden schneller gereizt. Solche Verhaltensweisen lassen sich leichter einordnen, wenn sie vorher bekannt sind.

Beim Packen sollte das Kind mitentscheiden dürfen. Lieblingspyjama, Kuscheltier, Nachtlicht oder ein bekanntes Buch vermitteln Geborgenheit. Dadurch wirkt auch ein fremdes Zimmer schnell etwas vertrauter.


Ein sicherer Schlafplatz schafft Geborgenheit

Nicht alle Grosseltern haben ein eigenes Enkelzimmer, und das ist auch nicht notwendig. Für ältere Kinder können ein Gästebett, ein geeignetes Schlafsofa oder eine bequeme Matratze ausreichen. Bei Babys und Kleinkindern sollte dagegen besonders auf altersgerechte und sichere Schlafbedingungen geachtet werden. Je nach Alter können ein Reisebett, ein Kinderbett oder ein geeigneter Rausfallschutz notwendig sein.

Vor dem Besuch lohnt sich ein genauer Blick auf das Zimmer. Lose Kabel, Medikamente, kleine Gegenstände oder zerbrechliche Dekoration sollten bei jüngeren Kindern ausser Reichweite liegen. Eine kleine Lampe im Flur oder ein dezentes Nachtlicht hilft dabei, sich auch in einer ungewohnten Umgebung zurechtzufinden.

Auch die Helligkeit im Raum wird häufig unterschätzt. Im Sommer bleibt es lange hell und die Abendstunden machen es in dieser Zeit oft schwer, die Kleinen zum Schlafen zu bringen. Ein Verdunkelungsrollo nach Mass lässt sich passend zur vorhandenen Fenstergrösse auswählen und sorgt dafür, dass das Zimmer auch dann angenehm abgedunkelt bleibt, wenn draussen noch viel Licht einfällt.

Ein Schlafbereich muss nicht voller Spielzeug sein, damit sich ein Enkelkind willkommen fühlt. Oft reichen ein paar Bücher, eine weiche Decke und ein fester Platz für persönliche Sachen. Schön ist es, wenn das Kind den Bereich ein wenig mitgestalten darf. Es kann sein Kuscheltier selbst hinlegen, die Bettwäsche auswählen oder ein gemaltes Bild neben dem Bett aufstellen.


Weniger Programm, mehr gewohnte Abläufe

Viele Grosseltern möchten die gemeinsame Zeit besonders schön gestalten und planen deshalb möglichst viele Aktivitäten. Ein Ausflug, das Lieblingsessen, ein Film und danach noch ein Spiel können für ein Kind jedoch schnell zu viel werden.

Ein entspannter Übergang zur Schlafenszeit ist meist hilfreicher als ein voller Zeitplan. Nach dem Abendessen kann gemeinsam aufgeräumt werden. Danach folgen Zähneputzen, Schlafanzug und eine Beschäftigung, die den Tag langsam ausklingen lässt. Das kann eine Geschichte, ein leises Gespräch oder ein kurzes Kartenspiel sein.

Bekannte Rituale geben Orientierung. Wenn das Enkelkind zu Hause immer eine Geschichte hört, sollte dieser Ablauf möglichst beibehalten werden. Trotzdem darf die Übernachtung bei den Grosseltern ihren eigenen Charakter haben. Vielleicht gibt es dort ein bestimmtes Buch, ein altes Schlaflied oder die Gewohnheit, vor dem Zubettgehen kurz aus dem Fenster zu schauen und über den Tag zu sprechen.

Mit zunehmendem Alter verändern sich solche Rituale. Auch ältere Enkel schätzen jedoch feste gemeinsame Momente, selbst wenn sie keine Gutenachtgeschichte mehr brauchen. Ein gemeinsamer Film, ein Gespräch über Schule, Freunde oder Hobbys oder ein später Kakao können zu Erinnerungen werden, die weit über den eigentlichen Besuch hinausreichen.


Wenn Heimweh plötzlich zum Thema wird

Heimweh zeigt sich nicht immer sofort. Ein Kind kann den ganzen Nachmittag fröhlich sein und erst dann traurig werden, wenn das Licht ausgeht und es im Haus still wird. In diesem Moment hilft es wenig, die Gefühle kleinzureden oder auf das Alter des Kindes hinzuweisen. Sätze wie «Du bist doch schon gross» erhöhen eher den Druck, als dass sie beruhigen.

Besser ist es, zuzuhören und herauszufinden, was dem Enkelkind gerade fehlt. Manchmal genügen eine Umarmung, eine weitere Geschichte oder die Zusicherung, dass Oma oder Opa im Zimmer nebenan schlafen. Andere Kinder möchten kurz mit den Eltern telefonieren. Ob ein Anruf beruhigt oder die Sehnsucht verstärkt, sollte am besten schon vor der Übernachtung mit den Eltern besprochen werden.

Sinnvoll ist es ausserdem, im Vorfeld zu klären, wer das Kind bei Bedarf abholen könnte. Allein dieses Wissen kann beruhigend wirken. Das Enkelkind sollte spüren, dass es bleiben darf, aber nicht bleiben muss. Endet die erste Übernachtung früher als geplant, ist das kein Misserfolg. Ein weiterer Versuch einige Wochen später kann bereits ganz anders verlaufen.


Der Morgen danach darf gemütlich sein

Nach einer ungewohnten Nacht sind Kinder manchmal besonders früh wach. Bücher, Malsachen oder ein leises Spiel helfen dabei, den Tag entspannt zu beginnen, ohne dass sofort das gesamte Haus in Bewegung gerät. Besonders schön ist ein gemeinsames Frühstück, bei dem das Enkelkind kleine Aufgaben übernehmen darf.

Vielleicht deckt es den Tisch, rührt den Teig für Pfannkuchen oder sucht die Brötchen aus. Durch solche Aufgaben fühlt sich das Kind eingebunden und kann aktiv am gemeinsamen Morgen teilnehmen. Gespräche entstehen dabei oft ganz nebenbei, ohne dass jemand gezielt danach fragen muss.

Bei der Abholung können Grosseltern den Eltern kurz erzählen, wie die Nacht verlaufen ist. Kleinere Schwierigkeiten sollten jedoch nicht ausführlich vor dem Kind bewertet werden. Wichtiger ist es, hervorzuheben, was gut geklappt hat und worauf man sich beim nächsten Besuch freuen kann. So bleibt die Übernachtung als schönes Erlebnis in Erinnerung, auch wenn nicht jeder Moment vollkommen reibungslos verlaufen ist.