Ein Enkel kommt auf die Welt – Das Wichtigste einfach erklärt

DIE BEZIEHUNG

«Als ich den Kleinen zum ersten Mal inmitten der jungen Familie sah, packte mich ein bis anhin nie erlebtes Gefühl von Glück, das mir die Tränen in die Augen schiessen liess», beschreibt Ruth Frei die erste Begegnung mit ihrem Enkel (siehe Artikel auf der vorherigen Doppelseite). Viele Grosseltern empfinden ähnlich, wenn sie ihr Enkelkind das erste Mal in den Armen halten. Und wie Ruth Frei haben sie das Bedürfnis, immer um das Neugeborene sein zu wollen. Dabei ist es für eine konfliktfreie Enkel-Grosseltern-Beziehung wichtig, den Abstand zu wahren, den die Jungfamilie sich wünscht. Nur zu oft werden gut gemeinte Gefälligkeiten der Grosseltern als Einmischung empfunden. Das beschreibt auch die Psychotherapeutin und Autorin Elisabeth Schlumpf in ihrem Buch «Enkel sind ein Geschenk»: «Einige Grosseltern bekommen rasch einmal zu spüren, dass ihr Beistand gar nicht erwünscht ist, weil die nächste Generation eigene Wege in der Kindererziehung gehen will und möglichst unabhängig von der eigenen Elterngeneration bleiben möchte.» Aus den zahlreichen Befragungen und Gesprächen über das Verhältnis von heutigen Grossmüttern und Grossvätern zu ihren Enkelkindern zieht Elisabeth Schlumpf deshalb ein klares Fazit: «Heutige Grosselternschaft bedeutet, individuelle Lösungen zu finden für die eigenen Möglichkeiten des Kontaktes mit der Enkelfamilie.» Patentrezepte für eine harmonische Grosseltern-Eltern-Enkel-Beziehung gibt es also keine. Einige Punkte, die das Fundament für eine glückliche Drei-Generationen-Beziehung bilden, lassen sich aber sehr wohl formulieren.

GLÜCKSGEFÜHLE UND SCHMERZ

Mit der Ankunft eines Kindes verändert sich die gesamte Familiendynamik, nicht nur die der jungen Familie. Sie als Grosseltern rücken eine Generation zurück. Diese Einsicht kann auch schmerzlich sein, manche Grosseltern pendeln zwischen positiven und negativen Gefühlen hin und her. Das ist normal. Wichtig ist, dass Sie akzeptieren, dass Ihre Kinder jetzt Eltern sind und die Hauptverantwortung für die Kinder tragen. Sie stehen als Grosseltern in der zweiten Reihe.

ANTEILNAHME UND ZURÜCKHALTUNG

Die ersten Tage und Wochen nach der Geburt eines Kindes sind für eine junge Familie immer sehr aufregend, intensiv und überwältigend. Das fordert eine besondere Sorgfalt. In dieser sensiblen Phase ist es deshalb besonders wichtig, dass Sie als Grosseltern das richtige Mass an Anteilnahme und Zurückhaltung finden. Bieten Sie sich an, ohne sich einzumischen. Das ist oft leichter gesagt als getan. «Schweigen, schlucken, schenken», so brachte es ein von Elisabeth Schlumpf befragter desillusionierter Grossvater auf den Punkt. Für Grosseltern kann es tatsächlich zu einer grossen Gewissensfrage werden: Soll man etwas sagen oder sich aus allem raushalten? Die Psychologin rät zur Zurückhaltung: «Denn ungefragte Einmischung wird von den Enkeleltern kaum geschätzt. Wenn sie nicht bereit sind, mit ihren Eltern oder Schwiegereltern über Probleme zu sprechen, können die Grosseltern noch so hilfsbereit oder fachkompetent sein, sie werden in ihre Schranken zurückgewiesen.»

GROSSHERZIGKEIT

Darüber wird nicht offen geredet: Nicht selten entstehen kleinere oder grös­sere Rivalitäten zwischen den verschiedenen Grosseltern. Der Enkel erwähnt mit kindlicher Freude mehrmals das tolle Geschenk, das er vom anderen Grossvater erhalten hat? Die anderen Grosseltern sehen die Enkelkinder viel häufiger? Versuchen Sie, wenn immer möglich, solchen Rivalitäten aus dem Weg zu gehen. Miriam Stoppard schreibt in ihrem Buch «Grosseltern»: «Es ist gut, dass wir dann Grosseltern werden, wenn wir schon viel Übung im Umgang mit schwierigen Gefühlen wie Eifersucht und Unsicherheit haben. In der Phase, in der wir Grosseltern werden, wissen wir bereits um die Bedeutung von Grossherzigkeit, Verständnis und Opferbereitschaft. Vielleicht müssen wir das nun umsetzen.» Es geht Ihnen schliesslich um das Wohl der Enkelkinder, und diese merken genau, wenn sich Feindseligkeiten anbahnen, und leiden darunter.

HÜTEN – WAS GILT ES ZU BEACHTEN?

«Nur eine offene Kommunikation und die Möglichkeit, deutlich über seine Wünsche zu sprechen, verhindert, dass sich Grosseltern womöglich irgendwann einmal ausgenutzt fühlen», schreibt der Journalist und Autor Roman Leuthner in seinem Buch «Hilfe, wir werden Grosseltern». Da hat er natürlich recht. Die Voraussetzung für eine solch offene Kommunikation:
Sie müssen sich zuerst überlegen, wie oft und unter welchen Voraussetzungen Sie die Enkelkinder hüten möchten. Denn nur wenn es Ihnen wohl ist, sind auch alle Beteiligten glücklich. Hier einige Punkte, die es zu überlegen gilt, wenn Sie sich als Babysitter anerbieten oder sie als Babysitter angefragt werden.

KINDER, KINDER

Seien Sie gefasst, dass Ihr Enkel nicht alleine bleibt. Vielleicht kommt bald ein Geschwisterchen nach, oder Ihre anderen Kinder bekommen Nachwuchs. Überlegen Sie sich diese Szenarien, bevor Sie als fixe Betreuungsperson zusagen. Können und wollen Sie auch mehrere Enkelkinder hüten? Können Sie den einen Enkel hüten, bei den anderen dann absagen, weil Ihnen zwei oder mehr zu viel sind? Am besten besprechen Sie das mit der ganzen Familie, auch mit jenen Kindern, die Ihnen noch keine Enkel beschert haben. Und sprechen Sie es bereits jetzt an, wenn Sie befürchten, mehrere Enkel hüten könnte für Sie zu viel werden.

DIE FERIEN

Betreuen Sie fix, können Sie nicht mehr nur für sich und spontan planen. Denn Ihre Abwesenheit hat jetzt auch planerische Auswirkungen auf die junge Familie. Im Gegenzug dürfen Sie natürlich auch verlangen, dass Sie die Ferienpläne der Jungfamilie frühzeitig erfahren.

BEI KRANKHEIT

Melden Sie der jungen Familie frühzeitig, wenn Sie merken, dass Sie nicht fit oder krank sind. Die Eltern des Enkelkindes sollten in diesem Fall eine Notfalllösung parat haben, nicht dass es an Ihnen liegt, sich in einem solchen Fall Hilfe oder gar einen Ersatz zu suchen. Sie sollten auch im Voraus besprechen, wie Sie damit umgehen, wenn das Enkelkind krank ist (was in den ersten drei Lebensjahren übrigens sehr häufig vorkommt und völlig normal ist). Oft sind kranke Kinder am liebsten bei der Mutter oder dem Vater. Vielleicht ist es dann möglich, den Hüteeinsatz zu verkürzen?

DIE EINRICHTUNG

Sie müssen und sollen Ihre Wohnung nicht völlig kleinkindgerecht einrichten, wenn Sie das nicht wollen. Ein paar Anschaffungen sind aber schon hilfreich, auch wenn Sie die Enkelkinder nicht bei sich zu Hause hüten: Eine Wickelunterlage, die Sie bei Bedarf einfach hervorzaubern können, ein paar Windeln, eine Trinkflasche und etwas später ein Kinderbesteck und das eine oder andere Spielzeug gehören zur Grundausstattung. Hüten Sie bei sich zu Hause, soll das Kind zusätzlich eigene Sachen dabei haben, denn Vertrautes schafft Vertrauen.

DIE RITUALE

Fragen Sie am besten bei den Eltern nach, welche Rituale und Gewohnheiten die Enkel mögen (zum Beispiel Einschlaf- oder Abschiedsrituale). Sie können auch selbst Rituale einführen: Singen Sie zum Beispiel immer dasselbe Lied beim Schoppengeben oder beim Wickeln.

DIE REGELN

Es gibt Regeln, die vielleicht nur bei Ihnen gelten, das ist gut so. Kinder können schon früh unterscheiden, welche Regeln bei den Grosseltern oder bei anderen Bezugspersonen gelten. Mancherorts braucht es aber klare Absprachen (Essen, Medikamente, Schlafen, Medienkonsum). Besprechen Sie mit den Eltern, in welchen Bereichen Sie eine Absprache wünschen und wo Sie freie Hand haben. Je häufiger Sie Ihre Enkel hüten, desto mehr Bereiche müssen wohl abgesprochen werden. Überhaupt empfiehlt es sich immer mal wieder, das Gespräch mit den Eltern zu suchen. Was sind ihre Erwartungen? Welches sind ihre Bedürfnisse? Nur im entspannten Gespräch zwischen Erwachsenen können potenzielle Konfliktherde früh erkannt und angesprochen werden. Vergessen Sie nie: Das Hüten soll in erster Linie ein Vergnügen sein für Sie und Ihre Enkel.

DAS FREMDELN

Kinder ab etwa sieben Monaten fremdeln, manche mehr, manche weniger. Nehmen Sie es auf keinen Fall persönlich, wenn das Kind bei Ihrem Anblick plötzlich zu schreien beginnt. Meist ist das nur eine kurze Phase, die es zu überstehen gilt. Fremdelt Ihr Enkel, versuchen Sie sich sehr sanft zu nähern, die Übergabe braucht dann deutlich mehr Zeit als gewohnt. Hüten Sie den Enkel mit Vorteil in der gewohnten Umgebung. Hilft alles nichts, so überbrücken Sie kürzere Hütedienste mit ausgedehnten Spaziergängen mit dem Kinderwagen (Gesicht des Kindes nach vorne gerichtet).

WAS SICH GEÄNDERT HAT

Und nun stehen Sie zum ersten Mal im Hüteeinsatz. Es ist wichtig, dass Grosseltern von Säuglingen über die wichtigsten Neuerungen in Sachen Babypflege Bescheid wissen. Nicht nur, weil es rückständig wäre, auf alten Methoden zu beharren, und dies unweigerlich zu Konflikten mit den jungen Eltern führen würde. Sondern auch, weil Sie so auch Ihr Interesse zeigen. Und schliesslich können Sie nur dann gleichberechtigt mit den jungen Eltern Gedanken austauschen, wenn Sie die neusten Methoden und Strömungen auch kennen.

KÖRPERTEMPERATUR

Babys können ihre Körpertemperatur noch nicht selbst regulieren, sie sind also darauf angewiesen, dass sie richtig angezogen werden. Viele Grosseltern haben die Tendenz, das Baby zu warm anzuziehen, das hat oft mit einer veralteten Temperaturfühlmethode zu tun. Kühle Händchen und Füsschen sind bei Babys ganz normal und sagen wenig bis nichts über deren Körpertemperatur aus. Um herauszufinden, ob Ihr Enkelkind friert oder schwitzt, legen Sie zwei Finger in den Nacken des Babys. Ist die Haut dort warm und feucht, hat das Baby zu heiss, ist die Nackenhaut kalt, friert es.

TRAGEN

Noch vor dreissig Jahren war es sehr exotisch, wenn man sich Babys mit einem Snugli oder einer ähnlichen Tragehilfe umband. Besonders Männer wurden schräg angeschaut. Überhaupt wurde davor gewarnt, die Kinder zu häufig zu tragen, der Rücken könne davon Schaden nehmen, meinte man. Dabei erkrankten früher Kinder häufig an der Knochenkrankheit Rachitis. Diese war eine Folge von Vitamin-D-Mangel und führte unter anderem zu Deformierungen der Wirbelsäule. Heute weiss man: Das Herumtragen in einer Tragehilfe wie Tragetuch, Ergo Baby Carrier, Snugli, Kängurutasche oder Babybjörn ist diejenige From des körperlichen Umgangs mit dem Säugling, die seinem Bedürfnis nach Körperkontakt und Bewegung am besten entspricht. Und ja, das Kind bekommt genug Luft. Zudem ist es wissenschaftlich erwiesen: Kinder, die in den ersten drei Lebensmonaten viel herumgetragen werden, schreien weniger. Und ein weiterer Vorteil des häufigen Tragens ist: Die Hüfte der Kinder kann sich so viel besser entwickeln, das «doppelte Wickeln» von früher wird hinfällig.

VITAMIN-D

Vitamin-D-Mangel zeigt sich bei Säuglingen und Kleinkindern als Rachitis oder auch als Wachstumsstörung oder Abwehrschwäche. Zwar wird das Vitamin D bei ausreichender Sonnenbestrahlung (mindestens 20 Minuten pro Tag) vom Körper hinreichend selbst produziert, bei Säuglingen und Kleinkindern ist eine solche Sonnen­einstrahlung aber nicht zu empfehlen. Denn bei ihnen ist bereits vor einer Hautrötung das Melanomrisiko erhöht. Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt daher, Säuglingen und Kindern bis zum 3. Geburtstag Vitamin D täglich in Form von Tropfen zu geben.

WICKELN

Stoffwindeln werden heute nur noch von ganz wenigen genutzt. Und die Wegwerfwindeln sind besser geworden: Die Klebestreifen kleben nur noch da, wo sie sollen, und nicht mehr auf der Haut der Babys. Zudem sind die Windeln viel saugfähiger als früher. Deshalb braucht man heute auch keinen Puder mehr für den Baby-Po. Ist dieser trotzdem mal rot oder an einer Stelle etwas wund, ist nach wie vor etwas Zinksalbe gut – manches ändert sich eben nie. Sehr wohl geändert haben sich hingegen die Handgriffe beim Wickelvorgang. «Früher hob man einfach die Beine an, um die Windel unter den Po zu schieben. Heute macht man das nicht mehr so. In den ersten drei bis vier Monaten hat der Säugling noch nicht genügend Muskeln, um diesem Ziehen entgegenzuwirken. Die Gefahr, dass dabei die Hüfte des Neugeborenen auskugelt, ist zu gross. Heute dreht man das Baby zum Wickeln auf die Seite», erklärt die vierfache Mutter und Krankenschwester Nathalie Haudebert-Stolz, die in Hausen bei Brugg AG Grosseltern-Update-Kurse gibt. Das sei am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, gibt sie zu. «Aber viele, die sich einmal daran gewöhnt haben, so zu wickeln, machen das auch nach den ersten Monaten weiter so.» Lassen Sie sich die korrekte Wickeltechnik am besten von Ihren Kindern oder Schwiegerkindern zeigen. Oder besuchen Sie gleich einen Grosseltern-Kurs.

TROCKEN WERDEN

Früher setzte man die Kinder stundenlang aufs Töpfchen und glaubte tatsächlich an eine erzieherische Leistung, wenn es dann endlich klappte. Das macht heute niemand mehr, heute lässt man den Kindern die Zeit, die sie brauchen, um trocken zu werden. Heute weiss man: Um den Harndrang kontrollieren zu können, muss der Körper zuerst ein bestimmtes Hormon produzieren. Diese Produktion beginnt zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr – also sehr unterschiedlich. Davor macht jede erzieherische Massnahme keinen Sinn. Also kein Stress, auch Ihr Enkelkind wird irgendwann trocken.

SCHREIEN

Eine wichtige Erkenntnis der Forschung ist, dass ein Kind in den ersten drei bis vier Monaten seines Lebens keine Schlüsse ziehen kann. Das heisst, es macht überhaupt keinen Sinn, Babys schreien zu lassen. Es kann nämlich noch gar keine Strategie entwickeln, durch das Schreien Aufmerksamkeit zu erregen. Überhaupt kann man ein Baby in dieser ersten Zeit nicht zu sehr verwöhnen. Im Gegenteil: Häufiges Tragen, Körperkontakt und sich Kümmern, wenn es schreit, fördert das Urvertrauen. Und das ist das Allerwichtigste.

PUCKEN

Einst war das sogenannte Pucken, also das enge Einwickeln der Babys mit einem grossen Tuch, verpönt, heute wird wieder vermehrt gepuckt. Es hilft Kindern, die viel mit den Armen rudern und zappeln, beim Einschlafen. Wichtig ist, das Baby nicht zu eng einzuwickeln, so dass der Brustkorb nicht eingeengt wird. Darauf achten, dass der Säugling nicht überhitzt. Den gepuckten Säugling zum Schlafen auf den Rücken legen, nicht auf den Bauch oder in Seitenlage. Das Tuch kann man – sobald das Kind im Tiefschlaf ist – auch wieder öffnen.

BAUCH-, SEITEN- ODER RÜCKENLAGE

Die Frage, ob Kleinkinder in Rücken-, Bauch-, oder Seitenlage zum Schlafen gelegt werden sollen, ist ein Dauerthema. Viele Grosseltern liessen ihre eigenen Kinder früher in Bauchlage schlafen. Die Erstickungsgefahr sei so am geringsten, hiess es damals. Heute wird das Gegenteil postuliert. Aus zwei Gründen: Zum einen haben Untersuchungen ergeben, dass die Gefahr für Babys, an Erbrochenem zu ersticken, in Rückenlage gar nicht grösser ist als in Bauchlage. Zum anderen wurde die Bauchlage statistisch als einer von mehreren Risikofaktoren für den plötzlichen Kindstod eruiert. Der Säugling wird deshalb heute zum Schlafen auf den Rücken gelegt. Die Seitenlage wird deshalb nicht empfohlen, weil diese sehr instabil ist und sich selbst ganz Kleine unbemerkt doch auf den Bauch drehen können.

ZÄHNEPUTZEN

Im Durchschnitt kommen die ersten Milchzähne mit 6 bis 8 Monaten, die letzten mit 3 Jahren, wobei natürlich jedes Kind seinen eigenen Fahrplan hat. Früher glaubte man, dass das Zähneputzen der Milchzähne nicht so wichtig sei, «die fallen ja sowieso einmal aus». Dabei: Milchzähne haben auch eine wichtige Aufgabe beim Sprechenlernen und korrekten Artikulieren. Und jeder Milchzahn hält den Platz für den bleibenden Zahn frei. Es ist also sehr wichtig, bereits zu den Milchzähnen Sorge zu tragen. Und ein weiteres Vorurteil muss hier ausgeräumt werden: Karies ist nicht angeboren oder vererbbar, jeder der 20 Milchzähne ist erst einmal gesund und kariesfrei. Deshalb ist Zähneputzen ab dem ersten Zahn so wichtig. Den Zahn (oder die Zähne) mit einer Zahnbürste und wenig Kinderzahnpasta reinigen nach der letzten (Schoppen-)Mahlzeit. Als Faustregel gilt für die Zahnhygiene: Bis zum ersten Geburtstag einmal pro Tag, mit zwei Jahren zweimal und ab drei Jahren dreimal pro Tag.

MILCHSCHORF

Milchschorf, auch Kopfgneis genannt, ist ein krustiger, schuppender Ausschlag, der bei Säuglingen vor allem auf dem Kopf, selten auch im Gesicht oder an anderen Körperteilen auftritt. Zum Milchschorf hält sich ein Vorurteil hartnäckig, das es hier auszuräumen gilt: Milchschorf hat das Kind nicht wegen der (Mutter)-Milch. Überhaupt ist Milchschorf keine Allergie auf irgendetwas. Man kann dem Milchschorf also nicht vorbeugen. Das ist aber auch nicht weiter schlimm, denn der Ausschlag juckt nicht, ist gesundheitlich unbedenklich und geht meist im ersten Lebensjahr von alleine wieder weg. Unschön ist er aber trotzdem, deshalb empfehlen Kinderärzte, ihn mit folgender Behandlung loszuwerden: Abends etwas Öl oder Vaseline auf die Kopfhaut massieren. Über Nacht einwirken lassen (evt. mit einem Mützchen schlafen). Am darauffolgenden Morgen den Kopf mit Babyshampoo waschen.

STILLEN

Vorbei sind die Zeiten, in denen uns die Babynahrungsindustrie weismachen konnte, nur künstlich hergestellte Babymilch sei genau auf die Bedürfnisse der Babys abgestimmt. Auch die Meinung, Stillen sei etwas für arme Leute, ist längst überholt. Nebst allen gesundheitlichen Vorteilen für Kind und Mutter ist beim Stillen zudem eine Überdosierung nicht möglich, das Kind kann mit Muttermilch gar nicht überfüttert werden. Zudem brauchen voll gestillte Kinder in den ersten sechs Monaten keine zusätzliche Flüssigkeitszufuhr. Das heisst aber auch, Babys stillt man heute nach Bedarf und Verlangen und nicht nach einem vorgegebenen Rhythmus. Kurz und gut: Stillen ist die ideale Form der Ernährung für ein Baby. Darüber sind sich Fachleute heute einig. Doch: Von dieser Einsicht ist es nicht weit zur Ideologie. Die Grosseltern-Update-Kursleiterin Haudebert-Stolz spricht in diesem Zusammenhang von einer regelrechten «Müttermafia», die genau beobachtet und kommentiert, ob und wie lange eine Mutter stillt. Viele Grosseltern wissen nicht, dass die Mütter heute unter einem enormen Druck stehen, was das Stillen betrifft. Erhöhen Sie diesen Druck nicht auch noch. Wichtig ist zu wissen, dass die Stillzeit für die Mutter anstrengend ist, selbst wenn das Stillen reibungslos klappt und erst recht, wenn Probleme auftreten. Überlassen Sie es der Mutter, ob und wie lange sie stillen möchte. Und unterstützen Sie sie in dem, was sie tut.

AUTOFAHREN

Nicht umsonst gibt es heute gesetzliche Vorgaben für das korrekte Mitführen von Babys und Kindern im Auto. Das Argument «Früher legten wir euch einfach in der Kinderwagentasche auf den Rücksitz, das ging auch» gilt nicht. Denn der Bestand der Strassenfahrzeuge in der Schweiz hat sich von 1990 bis heute um fast zwei Millionen Fahrzeuge (auf 5,9 Millionen) erhöht, und es wird heute nicht gemächlicher gefahren als früher. Ein kleiner Aufprallunfall reicht, und ein Kind schiesst durch die Windschutzscheibe. Also: Babys gehören in eine Babyschale, die korrekt montiert ist.

RAUCHEN

Heute weiss man, dass auch Passivrauchen schädlich ist. Besonders für Kinder und Babys. Zudem gilt Passivrauchen als einer der Risikofaktoren für den plötzlichen Kindstod. Also: Kein Rauchen in der Nähe des Kindes. •

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