Fabian Bucher (38)Hannes Bucher (68)
«Du, Mami, Jan und ich: Wir sind zu viert. Also darf noch eine Person dazukommen, damit wir nicht mehr als fünf sind.» Mara rechnet vor, was mit Corona möglich ist. Mit meinen Kindern führe ich seit einem Jahr Gespräche, die ich mir nicht hätte erträumen können. Sie kennen die Fünferregel, Worte wie «Maskenpflicht». Und sie bekommen immer wieder mit, dass wir wegen Corona auf wichtige Begegnungen verzichten. Gerade der Shutdown im letzten Frühling steckt mir noch in den Knochen: Nie hätte ich gedacht, dass ein Virus unser Familienleben dermassen bestimmt. Kein Kontakt zu über 65-Jährigen, also kein Treffen mit meinen Eltern. Schwierig – nicht nur für mich, gerade auch für meine Kinder: Erklären Sie mal einem (damals) Eineinhalb- und einer Dreijährigen, warum sie Grossmami und Grosspapi wochenlang nur am Telefon sehen dürfen.
Das ist aber bloss die eine Seite. Denn: Wie erkläre ich den eigenen Eltern, warum wir jetzt halt wirklich noch etwas Distanz wahren müssen, warum das Umarmen der Kleinen keine gute Idee ist, warum wir nicht vorbeikommen können? Während der zweiten Welle wurde das Enkel-Grosseltern-Verhältnis glücklicherweise nicht mehr so explizit thematisiert. Jan und Mara sehen Grossmami und Grosspapi regelmässig, auch ich bin mit der nötigen Vorsicht gerne dabei. Und was den Umgang meiner Kinder mit Corona im Allgemeinen betrifft, da sind sie mir eine grosse Hilfe im Alltag. Wenn wir das Haus verlassen, fragen sie mich ganz selbstverständlich (und im Wissen, dass ich gerne mal was vergesse): «Papi, hast du deine Maske dabei?»•
«Bleiben Sie zu Hause!» Dieser Satz hat sich eingenistet. Nun gut, zu Hause bleiben ginge ja noch. Aber wenn alle brav zu Hause verharren, bleibt auch die Hausglocke stumm. Und damit fällt auch das ungestüme drei-, vier- oder x-malige Dauerläuten aus, verbunden mit dem ungeduldigen Trappeln und Stampfen kleiner Kinderschuhe vor der Haustüre, die ankündigen: Grossmami, Grosspapi, aufmachen – ich, wir sind da! Mara, Jan, Noa … Ja, am liebsten alle sieben. Kommt nur hereingestürmt und in die Arme geflogen. Grossmami und Grosspapi haben Platz und ein grosses Herz für euch alle.
«Hend Sorg, ihr seid zu schwer, gerade für Grossmamis Rücken, für Grosspapis irgendwas», tönt es da von den besorgten Eltern. Ach was! Gar niemand ist zu schwer. Schwer oder vielmehr ganz schwierig war die Zeit, als diese Besuche nicht mehr stattfinden durften. Zum Glück ist das vorbei. Dafür steht jetzt die Frage im Raum: «Wollt ihr nicht vielleicht eine Maske …?» Natürlich gut gemeint. Sorge tragen zu ihren Eltern, zu den Grosseltern der Kinder. Aber da schiesst einem durch den sturen Grossvaterkopf: Jetzt ist jetzt! Jetzt sind die Enkel da und wie bitte – nur fünf Personen? Die Kleinen zählen doch nur halb. Und die Grosseltern hinter einer Maske? Nein, das geht gar nicht! Nun, es findet sich schliesslich ein Kompromiss, das schlechte Gewissen ist so zumindest auf «Halbmast» gesetzt. – So mühsam! Fast alles, was das Leben schön macht, ist Opfer der vermaledeiten Corona-Zeit. Echt zum Verwünschen! •


Fabian Bucher (38)
ist Produzent beim Schweizer Fernsehen SRF. Er ist verheiratet und Vater von Jan, zweieinhalb, und Mara, vier Jahre alt. Fabian arbeitet in einem Teilzeitpensum und hat so zwei Tage pro Woche, die er allein mit den Kindern ist. Er lebt mit seiner Familie in Zürich.

Hannes Bucher (68)
hat bis zu seiner Pensionierung als Schulleiter gearbeitet. Er ist verheiratet und hat einen Sohn und zwei Töchter. Seine sieben Grosskinder sind zwischen zwei und acht Jahren alt. Er wohnt im Kanton Luzern und schreibt als freier Journalist.

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